Hajo Jahn mit Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet

Kulturministerin Pfeiffer-Poensgen: Hajo Jahn gebührt für seinen jahrzehntelangen Einsatz gegen die Verfolgung und Vertreibung von Künstlerinnen und Künstlern höchste Anerkennung

Kulturministerin Pfeiffer-Poensgen und Hajo Jahn, Vorsitzender der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft
Kulturministerin Pfeiffer-Poensgen und Hajo Jahn, Vorsitzender der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft

Der ehemalige Journalist des Westdeutschen Rundfunk und Gründer der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft e. V., Hajo Jahn, ist am 14. Juni 2021 für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Wirken im interkulturellen Bereich und für seinen großen Einsatz für die Erinnerungskultur mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen händigte dem 80-jährigen das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Ministerium für Kultur und Wissenschaft aus. Der Bundesverdienstorden ist die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland für besondere Leistungen im politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, geistigen oder ehrenamtlichen Bereich.

 

Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen: „Als Mahner gegen die Verfolgung und Vertreibung von Künstlerinnen und Künstlern bezieht Hajo Jahn seit vielen Jahren gegen die Verfemung von Kunst und Kultur durch willkürliche Herrschaftssysteme Stellung. Mit Initiativen wie der Else Lasker-Schüler Gesellschaft – einer der aktivsten Literaturgesellschaften Deutschlands – und dem Zentrum für verfolgte Künste hat er sich tatkräftig der Aufklärung nationalsozialistischen Unrechts verschrieben. Er fordert nicht nur ein, dieses Unrecht aufzuarbeiten, sondern trägt durch sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement unter anderem in Form von Else Lasker-Schüler-Foren, Ausstellungen, Konzerten und Vorträgen selbst zu dieser Aufarbeitung bei. Für diese besondere Leistung gebührt Hajo Jahn höchste Anerkennung.“

Zunächst als Bergmann, später als Volontär und Lokalredakteur bei der Westfälischen Rundschau in Dortmund sowie freier Journalist für die ARD tätig, begann Hajo Jahn ab 1970, als Redakteur und Leiter das Bergische Studio des WDR in Wuppertal aufzubauen. Dort arbeitete er zugleich als Reporter und Moderator diverser Landessendungen bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2000.

 

1990 gründete er die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft e. V. in Wuppertal, eine internationale politische Literaturvereinigung mit rund 1.200 Mitgliedern. Ziel der Einrichtung ist es, das literarische und künstlerische Werk der in Wuppertal geborenen, im Dritten Reich verfolgten und emigrierten deutsch-jüdischen Schriftstellerin wachzuhalten auf Grundlage einer zeitgemäßen Erinnerungskultur, die auch Herausforderungen der Gegenwart wie Flucht, Immigration und Verfolgung von Künstlern einbezieht. 1994 gründete Jahn die Stiftung „Verbrannte und verbannte Dichter – für ein Zentrum der verfolgten Künste“, um an die vom Nationalsozialismus und anderen autoritären Regimen verfolgten Künstler und Intellektuellen zu erinnern, aber auch gegen aktuellen Antisemitismus, Nationalismus und Rassismus zu arbeiten: „Weil es Verfolgung von Künstlern, Journalisten und Schriftstellern gibt, so lange Diktaturen bestehen. Deshalb muss der Blick zurück auch ein Blick nach vorn sein, um junge Menschen aufzuklären“, so Jahn.  Mit Hilfe von Unterstützern und des Bundes hat er zudem die Internetplattformen „Exil-Club“ und „Exil-Archiv“ eingerichtet.


Der Journalist Jahn, der mehrere Bücher zu seinen Themen herausgegeben hat, darunter „Gewissen gegen Gewalt“, konnte mit Hilfe öffentlicher Stiftungen des Landes und des Bundes Originalzeichnungen von Else Lasker-Schüler erwerben, die 1937 als „entartet“ aus der Berliner Nationalgalerie entfernt worden waren. Die von ihm gegründete Else Lasker-Schüler-Stiftung erwarb die Exil-Literatur-Sammlung Jürgen Serke für das von ihm initiierte und in Solingen mit Hilfe des Landschaftsverbandes Rheinland und der Stadt Solingen realisierte „Zentrum für verfolgte Künste“.

Klares Zeichen gegen Antisemitismus

Initiative für die Errichtung einer Bodenplatte zur Erinnerung an die reichweit erste Bücherverbrennung vor dem Barmer Rathaus

Else Lasker-Schüler: Durch die Wüste Sinai
Else Lasker-Schüler: Durch die Wüste Sinai

"Der Antisemitismus ist das Merkreichen einer zurückgebliebenen Kultur". Dieses Zitat ist von Friedrich Engels. Er stammt wie Else Lasker-Schüler, der Malerpoetin  aus Wuppertal. Ihr Satz „Hass schachtelt ein, wie hoch die Flamme auch mag schlagen!“ sollte uns Mahnung und Erinnerung sein, so Hajo Jahn, Vorsitzender der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft. 

 

 Ganz in diesem Sinne setzt sich die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, einer Initiative ihres Vorsitzenden Hajo Jahn folgend, dafür ein, dass in Barmen vor dem Rathaus eine künstlerisch gestaltete Gedenkplatte installiert wird.  „2020 gab es in Deutschland 2351 antisemitische Straftaten. Das ist die höchste Erhebungszahl seit der Erfassung vor 20 Jahren. Gegen Antisemitismus arbeiten wir.“

 

Gemeinsam mit der Jüdischen Kultusgemeinde und anderer Organisationen wie der Armin T. Wegner-Gesellschaft, der „Kulturbrücke Wuppertal – Engels an der Wolga“, dem „Freundeskreis Beer Sheva“ sowie der „Solidargemeinschaft Wuppertal“ hat die Else Lasker-Schüler-Gesellschaft einen entsprechenden Antrag an den Kulturausschuss auf den Weg gebracht.  

 

Den Bericht der Westdeutschen Zeitung über die Initiative lesen Sie hier.

 

Armin Laschet ist Schirmherr des Else Lasker-Schüler-Forums in Sanary-sur-Mer

Sanary sur Mer: In den Jahren nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland hielten sich in der kleinen Stadt am Mittelmeer viele deutsche Emigranten auf.  Man nannte Sanary auch die Welthauptstadt der deutschen Literatur.
Sanary sur Mer: In den Jahren nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland hielten sich in der kleinen Stadt am Mittelmeer viele deutsche Emigranten auf. Man nannte Sanary auch die Welthauptstadt der deutschen Literatur.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet ist nicht nur neuer Bundesvorsitzender der CDU, sondern auch „Bevollmächtigter der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit“. In dieser Eigenschaft hat er soeben die Schirmherrschaft des XXIII. Else Lasker-Schüler-Forums übernommen, das vom 2. - 10. Oktober öffentlich und zweisprachig im französischen Sanary-sur-Mer unter dem Titel „Das flüchtige Paradies“ stattfinden soll.

 

Neben Künstlern und Referenten aus Frankreich nehmen aus Wuppertal u.a. die Schauspieler Hans Richter und Bernd Kuschmann, die ehemalige Pina Bausch-Tänzerin Chrystel Guillebaud, der Musiker Wolfgang Schmidtke sowie die Autoren Gerold Theobalt und Heiner Bontrup mit neuen Bühnenstücke an dem Forum teil. Ihre Teilnahme zugesagt haben u.a. auch Angela Winkler, Iris Berben, der Ex-Berlinale-Chef Dieter Kosslick sowie die Autorinnen Cecile Waijsbrot und Anne Weber, die 2020 den Deutschen Buchpreis für ein Epos über eine französische Widerstandskämpferin erhalten hat.

 

Sanary an der Cote d’Azur war „die heimliche Hauptstadt der deutschen Exilliteratur“, u.a. mit Thomas und Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger und Walter Hasenclever. Nach der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht flüchteten viele der Emigranten vom nahen Marseille in die USA, während sich Else Lasker-Schüler nach Palästina einschiffte. Ihre Zeichnungen aus dem Besitz der veranstaltenden ELS-Gesellschaft sollen erstmals in Frankreich ausgestellt werden zusammen mit Bildern aus dem „Zentrum für verfolgte Künste“, Solingen, kuratiert von Birte Fritsch – Bilder von Künstlern, die in Frankreich interniert waren, weil man Deutschen damals misstraute. Auch das gehört zur gemeinsamen Geschichte beider Länder.

 

Deshalb sind die Universität und das Goethe-Institut Marseille mit dem Centre Franco-Allemand de Provence gemeinsam mit der Kommune Sanary-sur-Mer Kooperationspartner der Wuppertaler Else Lasker-Schüler-Gesellschaft. Das Forum wird gefördert von der Stadtsparkasse und der Stadt Wuppertal, von der Bezirksregierung Düsseldorf und der AG Literarischer Verbände, Berlin, sowie unterstützt von Veit Feger, Ex-Zeitungsverleger aus Ehingen an der Donau.

Sollte die Corona-Pandemie andauern, wird das Else-Lasker-Schüler-Forum ins Jahr 2022 verlegt. 

Das flüchtige Paradies

Das Programm des XXIII. Else Lasker-Schüler-Forums

Theater, Lesungen, Konzerte, Vorträge und Podiumsdiskussionen: Das XXIII. Else Lasker-Schüler-Forum begibt sich auf die Spuren der Literaten und Kulturschaffenden, die nach der Machtergreifung Hitlers in der Idylle eines südfranzösischen Fischerstädtchens Zuflucht suchten und fanden. Zeitweise wurde das "Exil unter Palmen"  zur Welthauptstadt der deutschen Literatur: Die Manns, Lion Feuchtwanger, Brecht und Weill weilten hier. Das Programm des hochkarätig besetzten Forums finden Sie ebenso wie Kontaktdaten zur Anmeldung hier.

Else Lasker-Schüler auf Instagram

Eine Initiative an der Universtität Bamberg

Julia Ingold, Mitglied der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Bamberg. An der Universität Kiel hat sie kürzlich ihre Dissertation über Else Lasker-Schüler eingereicht. Im Sommersemster 2020 machte Ingold die Not der virtuellen Lehre zur Tugend und ließ mit ihren Studierenden Lasker-Schüler in ihrem 75. Todesjahr auf Instagram wiederauferstehen. Sie posten weiterhin regelmäßig Informationen über Werke, Graphiken, Texte, Biographie, Veranstaltungen, Web-Angebote und Forschung. Dabei entsteht eine unterhaltsame und lehrreiche Sammlung von Versatzstücken, die Interessierten ein lebendiges Bild der Künstlerin vermitteln. 

 

Das Programm verfolgen Sie hier.