Zitate über Else Lasker-Schüler

Bis über ihren Tod hinaus hat Else Lasker-Schüler polarisiert. Dies gilt gleichermaßen für das literarische Publik und die professionelle Literarturkritik. Die Rheinisch-Westfälische Zeitung bescheinigte ihr in in wilhelministischer Zeit  ihr „vollständige Gehirnerweichung“. Und ein Gericht urteilt über eines ihrer Gedichte, es habe einen „auffallenden Mangel an vernünftigem Sinn“. Gottfried Benn hingegen schrieb: "Dies war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte."

 

Die folgenden Zitate von Schriftstellern spiegeln die unterschiedlichen Facetten ihres Werks und zeigen zugleich die Bandbreite zwischen Begeisterung und Ablehnung.

Peter Hille

Quelle: Wikipedia
Peter Hille

"Else Lasker-Schüler ist die jüdische Dichterin. Von großem Wurf. Was Deborah! Ihr Dichtgeist ist schwarzer Diamant, der in ihrer Stirn schneidet und wehetut. Sehr wehe.

 

Der schwarze Schwan Israels, eine Sappho, der die Welt entzwei gegangen ist. Strahlt kindlich, ist urfinster."

 

 

Klabund

Emil Orlik: Der Dichter Klabund (1913). Lithohraphie
Emil Orlik: Der Dichter Klabund (1913). Lithohraphie

"Else Lasker-Schülers Kunst ist sehr verwandt mit der ihres Freundes, des blauen Reiters Franz Marc. Fabelhaft gefärbt sind alle Gedanken und schleichen wie bunte Tiere. Zuweilen treten sie aus dem Wald in die Lichtung: wie zarte rohe Rehe. Sie äsen ruhig und heben verwundert ihre Hälse, wenn jemand durchs Dickicht bricht. Sie laufen nie davon. Sie geben sich ganz Preis ihrer Körperlichkeit. Else Lasker-Schüler trägt ihr Herz an einer goldenen Kette um den Hals. Sie ist ohne Scham: jeder darf sie betrachten..."

 

 

Karl Kraus

Peter Hille. Photographie Quelle: Wikipedia
Peter Hille. Photographie Quelle: Wikipedia

"Nicht oft genug kann diese taubstumme Zeit (...) durch einen Hinweis auf Else Lasker-Schüler gereizt werden, die stärkste und unwegsamste lyrische Erscheinung des modernen Deutschland. (...)  Das hier aus der Berliner Wochenschrift ›Der Sturm‹ zitierte Gedicht gehört für mich zu den entzückendsten und ergreifendsten, die ich je gelesen habe, und wenige von Goethe abwärts gibt es, in denen so wie in diesem Tibetteppich Sinn und Klang, Wort und Bild, Sprache und Seele verwoben sind. "

Franz Kafka

Franz Kafka. Photographie. Quelle: Wikipedia
Franz Kafka. Photographie. Quelle: Wikipedia

„Ich kann ihre Gedichte nicht leiden, ich fühle bei ihnen nichts als Langweile über ihre Leere und Widerwillen wegen des künstlichen Aufwandes. Auch ihre Prosa ist mir lästig aus den gleichen Gründen, es arbeitet darin das wahllos zuckende Gehirn einer sich überspannenden Grossstädterin. Aber vielleicht irre ich da gründlich, es gibt viele, die sie lieben, Werfel z. B. spricht von ihr nur mit Begeisterung. Ja, es geht ihr schlecht, ihr zweiter Mann hat sie verlassen, soviel ich weiss, auch bei uns sammelt man für sie; ich habe 5 K hergeben müssen, ohne das geringste Mitgefühl für sie zu haben; ich weiss den eigentlichen Grund nicht, aber ich stelle mir sie immer nur als eine Säuferin vor, die sich in der Nacht durch die Kaffeehäuser schleppt."

Gottfried Benn

Gottfried Benn. Photographie
Gottfried Benn. Photographie

"Dies war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte. Ihre Themen waren vielfach jüdisch, ihre Phantasie orientalisch, aber ihre Sprache war deutsch, ein üppiges, prunkvolles, zartes deutsch, eine Sprache reif und süß. Feindlich allem satten, Sicheren, Netten vermochte sie in ihrer Sprache ihre leidenschaftlichen Gefühle auszudrücken, ohne das Geheimnisvolle zu entschleiern, das ihr Wesen war."